“Das Wandern ist des Müllers Lust”, “Im Frühtau zu Berge” und “Kein schöner Land” – das Wandern in Deutschland hat eine lange Tradition. Schon Goethe und Heisenberg schätzten die Erholung und Inspiration der lieblichen Landschaften. Auch heutzutage ist das Wandern eine der beliebtesten Freizeitaktivitäten der Deutschen und Österreicher. Hunderte verschiedener Wege laden ein, durch Nadel- und Buchenwald, über Berge und Täler, an kühlen Flüssen und durch Heidelandschaften zu spazieren. Von der Küste und den Mittelgebirgen im Norden bis zu den Felsenlandschaften der Alpen, von Stadt und Land im Westen bis zur Elbe im Osten gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Die Spanne reicht von kurzen Rundwegen für einen Sonntagnachmittag bis hin zu mehrtägigen Touren quer durchs Land.

Vielfältiger Norden

Norddeutschland bietet viele verschiedene Landschaften. Eine der nördlichsten Wandertouren führt über die Inseln Amrum und Föhr. Der Strandvogt-Törn führt von Wittdün auf Amrum bis nach Dunsum auf Föhr. Durch Dünen, entlang der Sandstrände und sogar durchs Watt (nur mit einem professionellen Führer!) führt der 50 Kilometer lange Weg, der allerdings auch abgekürzt werden kann. Zwischen Hamburg und Hannover gelegen befindet sich die große Kulturlandschaft der Lüneburger Heide. Besonders beeindruckend ist die Heideblüte im Spätsommer, wenn sich die zarten violetten Blüten bis zum Horizont erstrecken. Die Wanderwege sind gut ausgebaut und beschildert. Weiter im Süden liegen das Weserbergland und schließlich der Harz. Die Mittelgebirge sind wandertechnisch gut erschlossen. Der Weserbergland-Weg führt von Hann. Münden bis Porta Westfalica, vorbei an Bad Karlshafen, Hameln und Rinteln immer entlang der Weser, meist oberhalb des Flusses mit beeindruckenden Ausblicken. Im Harz lohnt zu jeder Jahreszeit ein Aufstieg auf den Brocken, Wanderstöcke geben auf dem felsigen Untergrund den nötigen Halt.

Bergiger Süden

Süddeutschland ist geprägt von bergigen Regionen wie den Alpen, dem Voralpenland und dem Schwarzwald. Ebenso gibt es landschaftlich schöne Strecken, die durch flache Regionen führen, so zum Beispiel rund um München. Eine echte Herausforderung sind die engen, verschlungenen und steinigen Pfade im Schwarzwald. Sie führen vorbei an hohen Felsen und tiefen Schluchten, die Region ist außerdem bekannt für ihre zahlreichen Wasserfälle. Die Wege verlangen dem Wanderer einige Mühen ab, belohnen ihn dafür aber auch reichlich mit einmaligen Szenerien der Natur. Abermals sind Wanderstöcke hilfreiche Begleiter. Gleiches gilt für die steilen Wanderwege in den Alpen, die bis weit hinauf über 1000 Meter Höhe führen.

Deutlich erkennbar ist die Änderung der Vegetation in dieser Bergwelt weit oberhalb des Meeresspiegels. Nicht ganz so hoch aber nicht weniger schön ist eine Wanderung auf dem Frankenweg. Dieser führt vom nördlichen Franken durch die fränkische Schweiz, das Nürnberger Land und das fränkische Seenland bis zum Altmühltal.

Kulturreicher Westen

Der Westen Deutschlands bietet sowohl Kultur wie auch viel Natur. Positiv sind außerdem die gut ausgebauten Wegnetze des öffentlichen Nahverkehrs, die eine einfache Anreise zu den Ausgangspunkten der Touren ermöglichen. Ganz im Westen führt der europäische Fernwanderweg E8 entlang des Niederrheins durch die Selfkant bis nach Aachen. Zahlreiche Städte entlang der Strecke ermöglichen einen Einstieg und bieten auch die Möglichkeit für Tagestouren. Selbst das industriell geprägte Ruhrgebiet ist von Wanderwegen durchzogen, meistens handelt es sich hier allerdings um Rundwanderwege. Eine der längsten Streckenwanderungen (X5) führt von Recklinghausen nach Dülmen. Weitere Wanderregionen in Nordrhein-Westfalen sind der Teutoburger Wald mit dem Hermannsdenkmal, das Sauerland und selbstverständlich die Eifel und der Hunsrück. Der Fernwanderweg “Moselsteig” führt auf 365 Kilometern entlang des Flusses von der französischen Grenze bei Perl bis zum Deutschen Eck in Koblenz. Besonders schön sind die vielen Weinberge entlang der Strecke, die sich im Herbst golden und rot verfärben.

Romantischer Osten

Im Osten Deutschlands gibt es ebenfalls viele unterschiedliche Wanderregionen. Der Thüringer Wald im Süden bietet allein über 50 mögliche Touren. Der Rennsteig führt von Eisenach über Suhl bis ins Schiefergebirge. Die fast 170 Kilometer lange Gesamtstrecke unterteilt sich in mehrere Etappen. In Mitteldeutschland warten viele malerische Wanderwege rund um die Flüsse Saale und Unstrut auf eine Erkundung. Dazu gehören der Weinwanderweg in Bad Sulza, der Geopfad Bad Kösen und der Weinlehrpfad von Laucha bis Freyburg. Immer einen Besuch und eine ausgedehnte Wanderung wert ist die Region um Werder an der Havel. Insbesondere zur Zeit der Obstblüte finden sich hier viele Naturbegeisterte ein, um dieses Schauspiel zu bewundern. Wer das Wasser liebt, findet passende Wanderwege dazu in Mecklenburg Vorpommern. So zum Beispiel auf 175 Kilometern in neun Etappen über den Müritz-Nationalpark-Weg, den längsten Wanderweg durch einen Nationalpark. Man erkennt dass das Wandern in Deutschland sehr vielfältig ist.

Die richtige Ausrüstung für die Wanderung

Je nach Strecke, Region und Jahreszeit gehört eine unterschiedliche Ausrüstung zur Wanderung. In jedem Fall sollte ein kleiner Rucksack mit den nötigsten Dingen mitgeführt werden. Dazu zählen eine Flasche mit Wasser, ein wenig zu essen und Pflaster für den Notfall. Auch ein Handy kann nicht schaden, um bei Bedarf Hilfe holen zu können. Feste Wanderschuhe sind ebenfalls ein Muss. Sehr praktisch sind flexible Wanderstöcke. Moderne Varianten sind so leicht und gut zu verpacken, dass sie in der Ebene keine Last sind. Auf bergigen Strecken helfen sie dabei, das Gleichgewicht zu behalten. Außerdem trainieren sie wie nebenbei die Muskulatur in den Armen. Für längere Touren ist eine umfangreichere Ausrüstung nötig. Wechselkleidung, eventuell eine Ausstattung für die Nacht, genug zu trinken und eine Taschenlampe gehören zum Standard. Immer dabei sein sollte eine aktuelle Karte der Region, auf der die geplante Wanderroute verzeichnet ist.

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