Noch vor einigen Jahren löste allein das Wort Wandern vor allem bei jüngeren Menschen Schreckensvorstellungen aus, die plötzliches Bauchweh, Durchfall und andere Erkrankungen zur Folge hatten. Alles, was einem vom Wanderausflug mit der Familie ausschließen könnte, wurde gern genannt – geholfen hat es nicht immer. Keiner wollte es wahrhaben dass Wandern glücklich macht. Heute sieht das ganz anders aus. Gerade die, die im Kindes- und Jugendalter dem Wandern nicht viel abgewinnen konnten, schnüren nun mit Begeisterung ihre Wanderschuhe, zücken die Wanderstöcke und schreiten begeistert und mit flottem Schritt durch Täler und über Berge.
Wann das Wandern vom verstaubten Familienausflug zur trendigen Freizeitbeschäftigung geworden ist, lässt sich nicht so einfach sagen. Fakt ist jedoch, dass heute niemand mehr mitleidig angeschaut wird, wenn die Sprache auf die Wanderung am letzten Wochenende kommt. Vielmehr kommen interessierte Rückfragen zur Strecke und nicht selten folgt gleich darauf eine Diskussion über die richtige Ausstattung für Wanderungen bei jedem Wetter. Wandern ist lässig und auch als Sportart inzwischen sehr beliebt.
Kurze Pause bei der Wandertour in Chamonix, an Lukes Lächeln erkennt man sofort: Wandern macht glücklich!

Fit und aktiv

Ein aktives Leben führen, ist für immer mehr Menschen ein großer Wunsch. Als Alternative zu Tätigkeiten, bei denen viel zu viel gesessen wird, werden unterschiedliche Sportarten mit mehr oder weniger Begeisterung ausgeführt. Was vielen dabei jedoch abhanden gekommen ist, ist sowohl das richtige Maß als auch der Spaß an der Bewegung. Nach einem langen Tag samt Überstunden muss es noch der Besuch im Fitness-Studio sein, wo noch einmal alles gegeben wird, bis die Muskeln schmerzen. Und am Wochenende, wo Zeit vorhanden ist, darf es dann auch gern einmal rausgehen. Mit Pulsmesser, Musik auf den Ohren und der Aussicht auf den nächsten (Halb-)Marathon wird gelaufen, als wäre der Teufel persönlich hinter einem her.

Natürlich ist all das eine Art, sich fit zu halten. Aber wäre es nicht viel schöner, wenn Bewegung keine Schmerzen verursacht, sondern Spaß macht. Wie viel mehr Spaß hätten wir doch, wenn wir die schöne Umgebung anschauen anstatt den Blick immer auf Uhr und Pulsmesser zu haben? Der eine oder andere wird jetzt anmerken, dass es ja dann kein Sport wäre – aber das ist falsch. Sport heißt nicht immer neue Rekorde aufzustellen. Sport heißt, sich zu bewegen und etwas für die Fitness und Gesundheit zu tun. Beim Wandern tut man eine Menge für die Fitness und bekommt dabei sogar noch gute Laune mitgeliefert. Ein effektiver Ausdauersport.

Wanderweg in Oberammergau an einem breiten Grat.

Wandern ist gesund

Wandern macht aber nicht nur fit, sondern ist auch überaus gesund. Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten ist das Wandern eine sehr sanfte Art der Bewegung und dazu auch noch sehr gelenkschonend. Deshalb ist das Wander auch in jedem Alter möglich und selbst wer jahrelang keinen Sport getrieben hat, kann problemlos mit dem Wandern beginnen – wenn nicht gleich lange Berg-Touren auf dem Programm stehen sollen.

Bewegung an der frischen Luft ist ja nie verkehrt – das ist kein Geheimnis. Wandern bringt aber mehr als nur ein bisschen Bewegung – es ist ein optimaler Sport für all die, die etwas für ihre Gesundheit tun möchten. Wandern wirkt sich nachweislich positiv aus auf:

  • die Gewichtsabnahme
  • den Cholesterinspiegel
  • das Herz-Kreislauf-System
  • den Bluthochdruck
  • den Stoffwechsel
  • die Abwehrkräfte
  • die Muskulatur.

Das ist schon eine ganze Menge, was allein durch das Wandern passiert, oder? Noch dazu kommt, dass die Bewegung an der frischen Luft dazu führt, dass wir uns einfach besser, leichter und beschwingter fühlen.

Um all diese positiven und gesundheitsförderlichen Aspekte beim Wandern zu erhalten, muss es übrigens nicht gleich in Extremsport ausarten. Schon drei Wanderungen die Woche mit jeweils einer Stunde Dauer bringen große Veränderungen mit sich. Und wer es nur einmal am Wochenende schafft, muss auch nicht verzweifeln. Auch damit wird mehr für die Gesundheit getan, als wenn man zuhause sitzen bleiben würde.

Ein Paar auf der Lichtung genießt das wundervolle Panorama.

Wandern macht glücklich

Wer hin und wieder draußen ist, wird ihnen schon begegnet sein, den wandernden Menschen mit diesem unglaublich großem Lächeln auf dem Gesicht. Das liegt nicht daran, dass sie beim letzten Gasthof den hausgemachten Likör verköstigt haben, sondern vielmehr daran, das Wandern einfach glücklich macht.

Was wie ein Werbespruch aus einem Urlaubsort in den Bergen klingt, ist eine bewiesene Tatsache. Markus Fischl, Psychiater in der Landesklinik Linz sagte einmal: “Wandern wäre unbezahlbar, wenn man es als Medikament verkaufen würde.” Dieses Zitat drückt aus, was viele Studien und Forschungen belegen, denn Wandern wirkt wie ein Antidepressivum. Im Uniklinikum Salzburg wurde in einer Studie beweisen, dass Wandern gegen Depressionen und psychische Störungen wirkt – es ist also tatsächlich eine wirksame Therapie.

Bewegung an der frischen Luft ist generell gut für uns. Wandern ist jedoch noch besser, denn es stört die Verästelung der Nervenzellen, regt die Gehirnzellen an und setzt mehr Energie frei – dank der erhöhten Sauerstoffzufuhr. Wie man während einer Studie in Pittsburgh herausfand, reduziert sich bei regelmäßigen Wanderern der altersbedingte Gedächtnisverlust um 50 Prozent. Darüber hinaus wird die Konzentration gesteigert, wie ein Versuch zeigte. Dabei wurden Personen kurz nach einer Wanderung einem Konzentrationstest unterzogen – und das Ergebnis war deutlich besser als bei den Teilnehmern, die vorher nur auf dem Sofa gesessen haben.

Stress abbauen beim Wandern

Stress ist allgegenwärtig. Ob in Beruf oder Freizeit – wir alle hetzen durch die Woche und versuchen immer noch mehr in immer weniger zeit zu erledigen und erleben. Wem es auch so geht, der sollte Wandern als Burnout-Präventation in Betracht ziehen. Während wir nämlich in einem entspannten Tempo unseres Weges gehen, klärt sich nach und nach das Gehirn und macht uns offen für den Moment.

Während wir sonst nur darauf schauen, was noch alles zu tun ist und woran noch gedacht werden muss, übt die Natur beim Wandern eine solch große Anziehungskraft auf uns aus, dass wir gar nicht anders können, als sie zu genießen. Nach einiger Zeit in der Natur nehmen wir die Geräusche richtig wahr, entspannen beim Vogelzwitschern und können uns an den prächtigen Farben der Wiesenblumen erfreuen. In unserem Inneren kehrt Ruhe ein und das Befolgen des Weges, der vor einem liegt, kann schon fast eine meditative Wirkung haben.

Wundervolles Panorama Richtung Verpeilhütte in Tirol

Fazit

Wandern ist mehr nicht länger ein langweiliges Ereignis, das nur für alte Menschen eine schöne Erfahrung darstellt. Wandern ist vielmehr ein Sport, der Menschen jeden Alters motiviert und für eine verbesserte Fitness sorgt. Anstatt sich immer weiter auszupowern, hilft Wandern auch ohne zu große Anstrengung dabei, den Körper zu trainieren und gesund zu erhalten.

Noch dazu kann man beim Wandern den Alltag im wahrsten Sinne des Wortes hinter sich lassen, endlich mal wieder tief durchatmen und genießen, was ist. All die Anforderungen aus Berufs- und Privatleben sind schließlich auch noch da, wenn die Wandertour beendet ist – und dann verfügen wir über neue Energie, um uns ihnen zu stellen und sie zu meistern.